24 April 2009

Massenhaftes Bienensterben 2009?


Am 23.04.2009 warnt das HeuteJournal des ZDF wie vor ihm verschiedene andere Medien vor einem bevorstehenden massenhaften Bienensterben im Frühjahr 2009. In dem Beitrag werden Befürchtungen vor der Wiederholung des vor allem Pflanzenschutzmittel-bedingten Bienensterbens 2008 geäußert.
Der Beitrag macht deutlich, das in den letzten Jahren das Bewusstsein um die Bedeutung der Honigbiene als wichtigstes Bestäubungsinsekt in der Öffentlichkeit zugenommen hat. Studien zeigen, dass der volkswirtschaftliche Wert dieser Bestäubung weltweit jährlich rund 150 Mrd. € beträgt und damit einen erheblichen Wirtschaftsfaktor darstellt. In Deutschland erwirtschaften die rund 80.000 Imker mit ihren 655.000 Völkern geschätzte drei bis fünf Milliarden Euro. Diese Zahlen werden vom Deutschen Imkerbund angegeben.
Ein Großteil der landwirtschaftlichen Kulturen ist auf Bestäubung angewiesen, um deren Existenz oder wenigstens eine Ertragssteigerung zu sichern. Umgekehrt sind für die Imkerei die landwirtschaftlichen Flächen wichtig, die in Deutschland immerhin 53 % der Gesamtfläche einnehmen.
Seit es im Frühjahr des vergangenen Jahres den größten aufgezeichneten Vergiftungsfall von Bienenvölkern in Deutschland am Oberrhein durch die Abdrift des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Clothianidin bei der Maisaussaat gegeben hat, ist die Sorge der Imker um die Gesundheit ihrer Bienenvölker gewachsen. Für den bienentoxischen, gegen den Westlichen Maiswurzelbohrer eingesetzten Wirkstoff ruht seither die Zulassung.
Im Februar erlaubte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Braunschweig jedoch, das Insektizid "Force 1.5 G" in einer streng befristete Ausnahmegenehmigung in Befallsgebieten gegen den Westlichen Maiswurzelbohrer anzuwenden. Da die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet sind, ein Monitoring zum Auftreten des Käfers durchzuführen und im Falle eines Befalls Maßnahmen zur Bekämpfung und zur Verhinderung der Ausbreitung anzuordnen, erlaubte die Behörde mit einer auf 120 Tage befristete Ausnahmegenehmigung die Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers mit diesem Pflanzenschutzmittel. Das Mittel darf nur in den Befallsgebieten des eingewanderten Käfers benutzt werden, der in Deutschland bislang in Baden-Württemberg und Bayern vorkommt. Das in Granulatform abgegebene Mittel mit dem Wirkstoff Tefluthrin wird bei der Aussaat mit dem Maiskorn in den Boden gelegt und muss dabei sofort mit Erde bedeckt werden. Der Wirkstoff aus der Gruppe der Pyrethroide wird nicht von der aufwachsenden Maispflanze aufgenommen, so dass Honigbienen mit dem Mittel nicht in Kontakt kommen, wenn das Mittel nach Guter Pflanzenschutzpraxis angewendet wird.
Die Imker sind jedoch nach wie vor beunruhigt. So weist der ZDF-Bericht auf gebeizte Maiskörner hin, die am Feldrand gefunden wurden und vermeintlich bienentoxisch sein könnten, auch wenn dies bei Einhaltung der Anwendungsbestimmungen ausgeschlossen sein sollte.
Steht uns ein neues Massensterben von Bienenvölkern im Jahre 2009 bevor? Ist der Schutz vor bienentoxischen Pflanzenschutzmitteln ausreichend? Droht eine einseitige Sichtweise bei der Bewertung von Bienenschäden durch Vernachlässigung des Blickes auf Varrose und Colony Collapse Disorder?

HeuteJournal des ZDF

10 Kommentare:

Sueddeutsche.de hat gesagt…

Hinter dem mysteriösen Massensterben von Honigbienen kann auch ein Parasitenbefall stecken....

Deutscher Imkerbund hat gesagt…

Pflanzenschutz und Bienenschutz erfordern
enge Kooperation von Landwirten und Imkern...

PAN hat gesagt…

Pestizide waren verantwortlich für das Massensterben von Bienen im Jahre 2008

Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund hat gesagt…

Umweltverbände fordern Strafverfahren gegen BAYER-Manager...

Bayer CropScience hat gesagt…

Saatgutbeizung: Schutz vom ersten Tage an...

InnovationsReport hat gesagt…

Berichte und Analysen

BMJ hat gesagt…

Verordnung über das Inverkehrbringen und die Aussaat von mit bestimmten Pflanzenschutzmitteln behandeltem Maissaatgut

BVL hat gesagt…

Hintergrundinformation: Stand der Zulassungen von Neonikotinoid-haltigen Saatgutbehandlungsmitteln

BMELV hat gesagt…

Bienensterben in den USA - Wie ist die Situation in Deutschland?

VDMA hat gesagt…

Konsequenzen aus dem "Bienensterben"
für die Landtechnik / Sägerätetechnik

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